Weiblicher Orgasmus

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   

Frauen täuschen den Orgasmus häufig nur vor!

 

Dieser Satz einer seiner Studentinnen brachte den amerikanischen Gynäkologen William Masters in den 50er Jahren dazu, in Kooperation mit Virginia Johnson eine der umfangreichsten und umstrittensten Sexrecherchen der damaligen Zeit durchzuführen. Dabei untersuchte das ungewöhnliche Paar eines der grössten Geheimnisse der Menschheit – zumindest für den männlichen Part – Was spielt sich beim weiblichen Körper beim Orgasmus denn nun wirklich ab?

Über 50 Jahre nach der Studie ist und bleibt der weibliche Orgasmus für viele immer noch ein Mysterium. Gemäss einer weltweiten Durex-Studie kommen mehr als 2/3 (!) der Frauen nicht regelmässig zum Orgasmus, während 80% der Männer jedes Mal oder fast immer ihren Höhepunkt erreichen.

Mit einem Orgasmus belohnt uns unserer Körper für den Sex und sorgt so dafür, dass wir Sex immer wieder haben möchten und so die Reproduktion unserer Spezies sichergestellt wird. Nebenbei führt der Orgasmus zu einer erhöhten Zufriedenheit mit dem eigenen Sexualleben und steigert die emotionale Bindung zwischen den Partnern.

 

Die vier Phasen des Orgasmus

 

Doch wie soll Frau aber nun zum Orgasmus kommen?

Wenn wir unseren Körper und die Vorgänge in ihm kennen, können wir ihn gezielter beeinflussen und unsere Lust steigern. Masters und Johnson unterteilten den Orgasmus in vier Phasen:

 

1.    Die Erregungsphase

Küssen, berühren, optische Reize, manchmal aber auch nur unsere Phantasie können unsere Lust auf Sex auslösen und uns erregen. Die Erregungsphase kann relativ plötzlich auftreten und kann von wenigen Minuten bis einige Stunden andauern.

Hier bereit sich der Körper auf den Sexualakt vor. Die Klitoris und Schamlippen schwellen an, und färben sich durch eine erhöhte Durchblutung rot. Die Vagina produziert vermehrt Feuchtigkeit, wodurch das Eindringen des Penis erleichtert wird. Tatsächlich weitet sich die Vagina sogar und wird durch das Heben der Gebärmutter länger. Auch die Brüste schwellen an und die Brustwarzen richten sich auf. Einige Frauen erleben sogar den „Sex Flush“, bei dem sich Hautregionen im Gesicht oder auf der Brust rötlich verfärben.

29% der deutschen Frauen wünschen sich ein intensiveres Vorspiel und weitere 24% geben an, dass die Erektion des Mannes nicht lange genug anhält, um einen Orgasmus zu bekommen. Bei nur durchschnittlich 23:53 Minuten Sex inklusive Vorspiel in Deutschland wundert mich das leider so gar nicht.

Auch lassen sich Frauen in der Erregungsphase viel leichter ablenken. Daher ist hier eine sensible Kommunikation und Achtsamkeit besonders essentiell. Auch ich kenne das Phänomen, ein falscher Gedanke und der Brunnen ist plötzlich wie ausgetrocknet. Es ist daher so wichtig, dass die Frau sich wohl fühlt, ihrem Partner vertraut und sich bei ihm fallen lassen kann.

 

2.    Die Plateauphase

Die Phase kurz vor dem Orgasmus nennt sich Plateauphase und dauert in der Regel nicht länger als einige Minuten. Die Erregung erreicht eine bestimme Höhe, ein Plateau, und steigt nicht mehr sonderlich an. Blutdruck und Puls nehmen weiter zu. Die Muskelspannung, im Beckenboden wie auch im sonstiges Körper, nimmt zu und wir verlieren zunehmend die Kontrolle über unseren Körper. Die Lust packt uns.

Interessant ist hier, dass die Klitoris sich jetzt unter ihre Vorhaut zurückzieht und somit kaum noch direkt stimuliert werden kann. Ich dachte früher, dass meine Klitoris einfach irgendwie taub wird. Dass sie aber einfach mehr oder weniger verschwindet, damit habe ich jetzt nicht unbedingt gerechnet.

Weiterhin füllt sich das äussere Drittel der Vagina mit Blut und verengt sich somit, wodurch der Penis besser durch den PC-Muskel umschlossen werden kann. Der PC-Muskel kann aktiv an- und entspannt werden (wie beim Urinieren) und kann so beiden Partnern beim Sex jede Menge Freude bringen. Die Brüste schwellen auf ihre maximale Grösse an und die Brustwarzen werden steif.

 

3.    Die Orgasmusphase

Der Orgasmus stellt den Höhepunkt der körperlichen Erregung dar. Muskeln und Nerven sind auf das Äusserste angespannt. Die angestaute Energie entlädt sich mit einem Mal. Die Muskeln der Vagina, der Gebärmutter und des Beckenbodens ziehen sich mehrfach rhythmisch zusammen. Das untere Drittel der Vagina verengt sich jetzt zur sogenannten orgastischen Manschette.

Frauen können ihren Orgasmus im Vergleich zu Männern über einen recht langen Zeitraum von 20 bis 60 Sekunden aufrechterhalten. Man könnte fast sagen ein Feuerwerk im Vergleich zu einer einzelnen Rakete.

 

4.    Die Entspannungsphase

Die Entspannungs- oder auch Rückbildungsphase, in der sich Blutdruck und Puls normalisieren und die Klitoris und Vagina wieder abschwellen, dauert bei der Frau wesentlich kürzer als beim Mann. Die Frau ist daher nach dem Orgasmus viel schneller wieder empfänglich für weitere Erregung. Dadurch sind mehrfache oder multiple Orgasmen, auch während eines einziges Sexualaktes, möglich.

Die Rückbildung und Verkürzung der Vagina ist nach ca. 15 Minuten abgeschlossen. Das Abschwellen der Schamlippen kann bis zu 3 Stunden dauern.

 

Der Orgasmus ist ein komplexer Körperprozess

Insgesamt also ein komplexer Prozess, der da in unserem Körper abläuft. Ein Prozess, der sich deswegen umso leichter stören lässt. Daher ist es so unglaublich wichtig, achtsamer miteinander umzugehen, offen und ehrlich zu kommunizieren und sich auch den Raum und die Zeit zu geben, einander zu erforschen sowie zu experimentieren. Sei dir diese Zeit und Erfahrung wert. Du wirst mit mehr Freude und Genuss in deiner Sexualität belohnt werden, ob nun mit oder ohne Orgasmus.

 Gastartikel von Luisa Lilli Herrlich / www.lustliebeheilung.de